Helrunar haben sich mit ihren bisherigen fünf Studioalben als Aushängeschild des ernst zu nehmenden, nordisch-mythologisch inspirierten Black Metal aus Deutschland etabliert. Mit”Niederkunfft” bricht nun eine neue Zeit für sie an – sowohl musikalisch als auch konzeptionell.

Auf “Niederkunfft” nimmt sich Skald Draugir erstmals eines historischen Themas an und befasst sich mit dem europäischen Menschen an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit – umgeben von Aberglauben und Ängsten, gefangen im Konflikt zwischen Religion und Aufklärung. Dieser konzeptionellen Neuausrichtung folgt auch die Musik: sie ist weniger rasend als auf den Frühwerken, dafür aber bedrückender und hoffnungsloser denn je. “Niederkunfft” fußt noch immer auf Elementen nordisch inspirierten Black Metals und ist maßgeblich geprägt von Skald Draugirs finster drohender, einmaliger Stimme, doch durch die Integration der vernichtenden Kraft des ursprünglichen schwedischen Death Metal und der Schwere des Doom gewinnen Helrunar eine unerwartete Ausdrucksstärke, die einmal mehr zu einer perfekten Symbiose aus Musik und Sprache führt. Noch nie klangen Helrunar so nihilistisch, und noch nie vermittelte die Band so überzeugend das intensive Gefühl von Bedrohung, Angst und bevorstehendem Weltuntergang.

Wer Helrunar bis jetzt für eine reine Pagan-Black-Metal-Band hielt, hat das Duo unterschätzt. Mit “Niederkunfft” beweisen Skald Draugir und Alsvartr eindrucksvoll, dass sie sich nicht durch ein enges konzeptionelles Korsett definieren, sondern für atmosphärisch packenden extremen Metal mit inhaltlichem Tiefgang stehen.